Aktuelle Reiseinfos für La Réunion

Wer gerade eine Reise nach La Réunion vor sich hat, der fragt sich vielleicht, wie momentan die Lage vor Ort ist. In Frankreich demonstrieren und randalieren die Gelbwesten und auch La Réunion ist davon betroffen. Wirtschaftlich läuft es nicht besonders gut, die Arbeitslosigkeit ist hoch und so sind hier die Proteste viel früher eskaliert als im Mutterland.

Vom Auswärtigen Amt gibt es nur ein paar Hinweise, eine Reisewarnung gibt es nicht. Die gibt es nur bei „Gefahr für Leib und Leben“, aber so schlimm ist es nicht. Ich bin gerade (heute ist der 3.12.2018) in La Réunion und kann daher folgendes berichten:

Straßenblockaden

Bis letzten Freitag gab es auf der ganzen Insel Straßenblockaden. Da errichten die „Gilets jaunes“ an Kreuzungen, Kreisverkehren, Landstraßen und sogar auf der Autobahn Barrikaden und dort werden dann nur ein paar wenige Autos alle 10, 15 oder 20 Minuten durchgelassen. Oft gibt es nur eine Verbindung (z.B. zum Piton de la Fournaise), man kann diese Blockaden daher häufig nicht umfahren. Wir mussten an einigen Blockaden über eine Stunde warten, bei anderen Blockaden nur wenige Minuten. Es kommt immer darauf an, wie die Gelbwesten gerade gelaunt sind. Frauen mit Kindern, Notfälle, Typen mit tiefergelegten Autos und befreundete Gelbwesten werden bevorzugt durchgelassen. Wir haben es aber auch erlebt, dass Krankenwagen in der Blockade feststeckten, weil es auf einer einspurigen Autobahnausfahrt keine Möglichkeit zum Vorbeifahren gab. Es gab auch immer wieder Schlägereien zwischen Gelbwesten und Autofahrern, die sich nicht an die „Regeln“ der Gelbwesten halten. Die Polizei und Gendarmerie macht auch nichts, scheinbar erlaubt es das Recht zu Demonstrieren in Frankreich auch, Straßen zu blockieren und die Mitmenschen zu drangsalieren.

Im Moment gibt es angeblich keine Blockaden mehr. Wir hoffen, dass das auch so bleibt.

Versorgung

Nicht nur die Straßen sind blockiert, sondern auch der Hafen. Fast alles auf La Réunion wird importiert, da ist ein nicht funktionierender Hafen ungünstig. Viele Tankstellen hatten bis einschließlich gestern komplett geschlossen, weil die Tanks leer waren. Dort wo es Benzin oder Diesel gab, bildeten sich lange Warteschlangen mit mehreren Stunden Wartezeit. Wir haben uns gestern (Sonntag) in einer Schlange eingereiht, allerdings hat die Tankstelle dann pünktlich um 12 Uhr zu gemacht. Also kein Sprit für uns.

Angeblich wurden heute viele Tankstellen erstmals wieder beliefert. Es gibt immer noch lange Warteschlangen. Wir hoffen es geht morgen wieder besser.

Auch die Versorgung mit Essen wird langsam problematisch. Viele kleine Bäckereien haben kein Baguette, weil kein Mehl mehr geliefert wird. Besonders in den entlegenen Gegenden sind die Supermarktregale leer. Dort schließen auch einige Restaurants. Zum einen, weil die Lager leer sind. Zum anderen haben auch viele Touristen ihre Reise gecancelt, so dass die Gäste fehlen. Gestern waren wir zum Abendessen 4 Personen in einem Restaurant in Cilaos. Im unserem Hotel sind ganze 3 Zimmer belegt.

In den großen Supermärkten gibt es allerdings alles, dort sind uns keine leeren Regale aufgefallen. Nur leider kommt man dort nicht so einfach hin, wenn man zum Beispiel in Cilaos ist.

Besondere Regelungen

Es gab bis vor etwa einer Woche eine nächtliche Ausgangssperre, die ist aber überall wieder aufgehoben.

In einigen Gegenden wo besonders randaliert wurde, gab es ein Verkaufsverbot für Alkohol. Das gilt teilweise immer noch, auch in Restaurants und Hotels. Aktuell kann man in Cilaos keinen Alkohol kaufen, in der Stadt Saint-Pierre wurde das Verbot am Samstag aufgehoben.

Update vom 4.12.2018: Das Alkoholverbot wurde zumindest in Cilaos und Saint-Pierre wieder aufgehoben.

Update vom 6.12.2018: Die Tankstellen in den großen Städten sind seit Dienstag größtenteils wieder geöffnet, es gibt aktuell keine langen Wartezeiten mehr. In entlegenen Regionen kann es aber noch dauern, bis die Tankstellen wieder versorgt sind. In Cilaos war die Tankstelle am Dienstag noch geschlossen. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln läuft wieder. Trotzdem haben einige Restaurants noch geschlossen, weil viele Touristen ihren Urlaub abgebrochen oder verschoben haben.